Die Familien v. Sydow sind eine Familie des brandenburg – preußischen und pommerschen Uradels. Ihre Zweige haben sich frühzeitig auf mehrere Linien aufgeteilt . Sie führen sich zurück auf Henricus de Sidou, der 1259 als Marschall des Markgrafen Otto v. Brandenburg urkundlich erwähnt, anlässlich der Gründung der pommerschen Stadt Stargard in Vorpommern.

In mehreren Linien und mit zum Teil ausgedehnten Grundbesitz in der Alt- und Neumark, Pommern und Westfalen stellten sie 9 preußische Generäle und eine große Anzahl hoher und höherer Offiziere, sowie eine größere Anzahl von Landräten, insbesondere in den Kreisen Königsberg in der Neumark aber auch z.B. um Schwedt herum. Heute liegt der Grundbesitz – bis auf ein Schloss in Österreich – ausschließlich im heutigen Polen in der vormaligen Neumark und in Hinterpommern.

Die Familie hat einen zahlreiche und renommierten Schwesterverband in Schweden aus dem sich bekannte Persönlichkeiten, wie der Reichstagspräsident Björn v.S., der Schauspieler Max v.S. und ein früherer Ministerpräsident Oscar v.S.

In Deutschland haben es der Regisseur Rolf v.S. und die Kabarettistin Hendrike v.S. zu einer weiteren Bekanntheit gebracht.

Es gibt einen Familienverband der Familien v.Sydow und einen Släktförening der Släkten von Sydow in Schweden.

Die genealogische Verbindung zwischen dem deutschen und dem schwedischen Familienteil ist noch nicht so gesichert, dass ein unmittelbarer Zusammenhang hergeleitet werden kann, aber wir arbeiten daran.

Einer der historisch bedeutenden Generäle war Egidius Ehrenreich v.S., der Mitglied des Tabakskollegiums König Friedrich Wilhelms I. war und es bis zum Stadtkommandanten von Berlin, General und Inhaber des schwarzen Adler Ordens brachte. Durch Heirat seines Sohnes wurde ein Teil der Familie auch nach Westfalen verpflanzt.

Während des 30jähgrigen Krieges , des 7 jährigen Krieges und im 20.Jahrundert während der zwei Weltkriege ist die Zahl der Mitglieder stark gesunken. Heute zählt die Familie ca. 42 Mitglieder und – zusammen mit dem zahlreichen brasilianischen Zweig –  ca. 170 Familienmitglieder und Eheleute.

Die Familie von Sydow gehört zum Uradel der Mark Brandenburg, der durchweg deutscher Abstammung ist, da das Stammland durch fortwährende Kriege germanisiert wurde. Die Mark ist Mitte des zehnten Jahrhunderts durch Otto den Grossen bis zur Oder hin erobert worden. Sie war ursprünglich von Wenden (= Wandalen, It. Prof. Dr. Walther Steller, Universität Kiel) bewohnt.

Der Ahnherr der Familie, Ritter Heinrich von Sydow -Henricus de Sydou Marescaleus -Marschall des Markgrafen Otto von Brandenburg aus dem Hause der Ascanier, wird als Zeuge in der Stiftungsurkunde der Stadt Stargard in Mecklenburg vom 11. Januar 1259 genannt. Dem Orte, der sich bei der Burg Stargard gebildet hatte, wurden Stadtrechte verliehen.

Henricus kommt auch in einer Urkunde vom 29.6. 1279 vor, welche Neubrandenburger Verhältnisse betrifft und zwar als „dominicus Henricus curie nostre marschalcus“ 0 Eine Urkunde vom 18.8.1280 nannte ihn Henricus de Sydow.

In der Siegesallee in Berlin, die im Kriege 1939 – 1945 vernichtet wurde, war dieser Henricus de Sido6 mit auf dem Denkmal des Markgrafen Otto abgebildet.

Anlässlich einer Versammlung der Landstände in Berlin im Jahre 1281 wurde Johann von Sydow in einer Choriner Urkunde als „advocatus“ (Vogt) erwähnt. Im Mecklenburgischen Urkundenbuch erscheint auch Johannes de Sydow in einer Urkunde vom 130 8. (8ie-) gel 1284. Ferner am 28.9.1329 Henrik von Sidowe und am 5.10. 1324 H. von Sydoweo In weiteren Dokumenten werden genannt. Otto von Schenk auf Seida in Sachsen, damals Sidow genannt. ~ Seine Tochter war Nonne, später Abtissin im Stift Gernrode. (Aus Geschichte der Niederlausitz Th. I, S. 170 Gauhe Adels Lexikon S. 2059).- Mit dem Herzog Rudolf von Sachsen waren auf dem Concil zu Costnitz erschienen u.ao die Freiherren (1) Heinrich Otto und Johann Schenken von Sidow. (Reichentaal, Costnitzer Concilium S. 186).- Schenk Albrecht von Sydow wurde am 29.5. 1417 in Constanz durch Kaiser Siegesmund als Schiedsrichter in einem Streit zwischen Kurfürst Friedrich von Brandenburg und dem Erzbischof Günther von Magdeburg ernannto (v. Raumer, Code diplom. Brandenb. cont. T.I, ~. 67 – 69).- Johann Schenk von Sidow wird 1420 durch Kurfürst Friedrich im Namen des Kaisers als Gesandter nach Warschau geschickt. Der Kaiser will einen Streit zwischen den Deutsch-Ordens Rittern und dem König Wladislaus Igello von Polen schiedsrichterlich beilegen. (Clöden, die Mark Brandenburg T. 4 po 296).- Albrecht, Schenk von Landsberg, Herr zu Sydow hat u.ao als Zeuge unterzeichnet in einem am 18.04.1417 von Kaiser Siegismund ausgestellten Lehnsbrief. Durch diesen Brief wurde Friedrich I. mit der Mark Brandenburg belehnt und zum Kurfürsten ernannt. (Buchholz, BrandenboGesch. Th. V. 182). Die Unterschrift des ältesten Siegels vom 5. 1. 1318 lautet „Sigillum Johannis de Side“.- Ferner Eckarde von Zydowe, als Zeuge in einer Guts-Verpfändungsurkunde vom 14. 1. 1395.- Diese Urkunde betrifft zwischenrechtliche Verhältnisse: „Die von Voss übernehmen von ihrem Verwandten, Wedeg von Floto, das halbe Schloss, Stadt und Land Prenzlin bis zur Rückforderung“.- s/Seite (13) Fußnote. Der Ahnherr der Familie, Henricus, hatte eines der höchsten Landes- und Hofämter inne, woraus hervorgeht, dass die Familie schon im 130 Jahrhundert sehr eeaF angesehen war. Wo freilich der Stammsitz gewesen sein mag, das wird sich schwerlich ergründen lassen. Es wird allerdings angenommen, dass es das heute noch existierende Dorf Sydow bei Bernau, ca. 30 km nordostwärts Berlin in Richtung Eberswalde, ist. Ob der Ort Sydow in Pommern mit unserer Familie etwas zu tun hat, ist fragliche Er liegt 18 km westlich von Rummelsburg (Stolp). Trotz dieser Fragwürdigkeit haben wir einen Bericht aus der Neuzeit über dieses pommersche Sydow in diese Auflage übernommen. Es ist anzunehmen, dass von diesem ( 2) T ie Ort die bürgerlichen Familien Sydow ziemlich ausnahmslos abstammen, doch gehören diese ja nun einmal nicht zu unserer Familie. Massgebend allein zur Zugehörigkeit einer Familie bleibt stets das Wappen und nicht der Name! Die Schreibweise der Endungen wechselt zwischen ou, o~, oue, owe und ow. Diese Silbe besagt dasselbe wie das hochdeutsche Wort „Au“ oder Aue“ und bedeutet eine Wiesenfläche, durch die ein Gewässer fliesst. Die Endung ow im deutschen Osten hat mit der russischen Endung ow oder auch off jedenfalls nicht das geringste zu tun Milites (Ritter) bedeutet soviel wie Ministerialen, d.h. ursprünglich unfreie Berufskrieger im Gefolge eines grossen Herren (Fürsten oder Grafen), die sich im Verlaufe des 12. bis 14. Jahrhunderts zu Freiheit und Adel emporschwangen und seit dieser Zeit -aber auch erst seit dieser Zeit- als ein Geburtsstand, d.h. also ein Adel im rechtlichen Sinne anzusehen sind. Mehr als diese allgemeinen Tatsachen, die von allen milites-Geschlechtern jenes Zeitraumes gelten, wird sich über die Urgeschichte der Sydows nicht sagen lassen; also etwas Die Sydows waren ein höchstwahrscheinlich aus dem westlichen Teil von Norddeutschland stammendes Ministerialen-Geschlecht, welches zur Zeit der Eroberung der Mark Brandenburg durch die Askanier in die Mark Brandenburg verpflanzt wurdeo- Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass unser erster bekannter Vorfahr aus einer uralten landgesessenen Adelsfamilie der Mark stammte, denn man bediente sich in den Kriegen viel des alteingesessenen Adels, falls dieser es nicht vorzog, nach Osten auszuweichen.- Wie alle Ministerialengeschlechter gelangten sie um die Zeit ihrer Verpflanzung nach der Mark zu persönlicher Freiheit. Indem der Stand der milites (d.h. der Ritterstand), aus einem Berufskriegerstande zu einem Geburtsstande wurde, gehörten sie dem damals sich neu bildenden Adel an, und zwar von den ersten Zeiten seiner Entwicklung ano Sie wurden vom Markgrafen mit einem Lehen, einem Grundstück (wahrscheinlich 6 Hufen, wie alle milites-Lehen, Ritterlehen), welches in dem Dorfe Sydow lag, ausgestattet und nahmen daher den Zunamen (Geschlechtsnamen) de Sydow an!*)l Hufen = 60 Morgen) Im Jahre 1452 erwarb der Kurfürst von Brandenburg die Neumark vom Deutschen Ritterorden. Der alteingesessene Adel der Neumark, der den neuen Herrn nicht anerkennen wollte, ging zum grössten Teil ausser Landes nach Polen Um die nun fehlenden Führungskräfte zu ersetzen, wurden Familien aus der Altmark herangeholt. So wurde unser Vorfahr 1455 mit den Gütern Stolzenfelde, Dobberphul und Görlsdorf im Kreise Königsberg in der Neumark belehnt. Die Geschichte der Familie ist im Ganzen dieselbe wie die aller märkischen Familien, der Beruf: Grundbesitz und Kriegsdienst. In ältester Zeit teilweise auch in fremden Kriegsdiensten, seit dem Bestehen der brandenburgisch-preussischen Armee ausschliesslich in dieser, später auch im Staatsdienst. Die Familie dehnt sich in den Jahrhunderten vor dem 30jährigen Kriege (1618 – 1648) sehr aus, so dass fast jedes Gut im Kreise Königsberg (Neumark) und bis über Schwedt hinaus einmal im Besitz eines Sydow gewesen ist. Unsere Vorfahren haben in der Regel als „commissarii“ (Landräte) die Verwaltung des Kreises in der Hand gehabt.- Durch das Aussterben vieler Äste der Familie gingen die Besitze dann wieder in andere Hände über. Nach dem 30jährigen Kriege ist die Zahl der Mitglieder der Familie sehr gesunken, der 7jährige Krieg brachte wieder grosse Verluste, zusammen etwa 16 Sydows, und so starben allmählich 5 Linien ganz und eine fast aus. Weitere 7 fielen im 19. Jahrhundert. Im Kriege 1914/18 sind 6 Sydows gefallen, 1939/45 weitere 9, sowie einige indirekte Opfer des Krieges durch Feindeinwirkung oder Flucht 0 Viele Mitglieder der Familie haben Hervorragendes geleistet; Egidius Ehrenreich (VIII.36), geboren 1669, war Vertrauter des Königs Friedrich Wilhelm I. Er wurde mit dem Schwarzen Adler Orden ausgezeichnet, dem höchsten Orden in der preussisch/deutschen Geschichte. Im Jahre 1877 wurde von 5 Vettern der Linien DobberphulStolzenfelde, 3 Vettern der Linie Blumberg und 2 Vettern der Linie Schönfeld der „Familienverband derer Vo Sydow“, sowie eine Stiftung gegründet- Ausser dieser märkischen Familie gibt es noch eine, vielleicht mit ihr zusammenhängende und ausserordentlich zahlreiche schwedische Familie, deren Zweige teils Sydow, teils von Sydow heißen Im Jahre 1928 ist eine ausführliche Bearbeitung der Familien „Sydow – von Sydow“ von General Sydow in Lübeck als Manuskript gedruckt herausgekommen, in welcher auch die Abstammungsfrage eingehend behandelt, und die sogenannte Johannisburger Urkunde kritisch gewürdigt wird. Bis zur Behebung der Abstammungszweifel werden die gesamten schwedischen Linien nicht in den Gotha aufgenommen Sie haben ihren eigenen Familienverband, der ebenfalls eine Genealogie herausgibt und führen auch ein anderes Wappen. In der vorliegenden Genealogie der deutschen Familien werden sie nur summarisch aufgeführt. (s. XI. Abschnitt).

Zu dieser Familie gehört der schwedische Premier-Minister und Reichsmarschall Oscar Friedrich von Sydow, der auch das schwedische Wappen führte o Ferner der in letzter Zeit bekannt gewordene Filmschauspieler Karl Adolf (genannt Max).- Rolf von Sydow, bekannt als Film- und Fernseh-Regisseur ist ebenfalls im Xl Abschnitt unter der deutschen Linie verzeichnet (Nachtrag) s.Seite 13